Der Aufstieg von KI-generierter Musik: Ein Paradigmenwechsel in der Musikindustrie

In einem kürzlich von dem französischen DJ David Guetta geteilten Video sorgte eine Welle der Besorgnis in der Musikgemeinschaft für Aufsehen. Guetta äußerte sein Erstaunen über den Erfolg eines Experiments, das er anfangs für einen simplen Scherz hielt. In dem Clip begeisterte er ein vollbesetztes Club-Publikum mit einem Track, der scheinbar die markante Stimme des Rappers Eminem sampelte. Doch die Wahrheit war weit entfernt von dem, was es zu sein schien. Guetta hatte künstliche Intelligenz (KI) genutzt, um Texte im Stil von Eminem zu generieren, und dann ein anderes KI-System verwendet, um die Stimme des Rappers nachzubilden. Das Ergebnis war ein voller Erfolg und ließ die Menge begeistert zurück.

Die Verwendung von KI in der Musikproduktion hat wachsende Bedenken in der Branche ausgelöst, wobei einige Insider dies mit der disruptiven Wirkung der Filesharing-Site Napster in den frühen 2000er Jahren vergleichen. Während die Einstiegshürde für die Musikproduktion bereits relativ niedrig war, hat KI die Schleusen weiter geöffnet und es einfacher denn je gemacht, Musik zu produzieren und zu verbreiten. Websites wie Boomy haben Benutzern ermöglicht, über 14 Millionen Songs zu generieren, was die gesamte Katalogzahl von Spotify von etwa 100 Millionen Songs bei weitem übertrifft.

Lucian Grainge, der CEO von Universal Music, hat auf die unkontrollierte Verbreitung von generativer KI hingewiesen. In einer kürzlichen Stellungnahme an Investoren betonte er die zahlreichen Gefahren, die mit dieser Technologie verbunden sind. Universal Music hat sogar einen Brief an führende Streaming-Plattformen geschickt und sie davor gewarnt, KI das Training mit urheberrechtlich geschützter Musik zu ermöglichen, und auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, Bedenken hinsichtlich Urheberrechtsverletzungen anzugehen. Während einige Künstler wie Grimes offen dafür sind, dass ihre Stimmen dupliziert werden und die Tantiemen gleichmäßig aufgeteilt werden, strebt die Branche als Ganzes die Schaffung eines Rahmens für die Lizenzierung von Musik an, die von KI-Generatoren verwendet wird.

Die Sorge von Universal Music geht über Urheberrechtsverletzungen hinaus. Der Marktanteil von Major-Label-Musik auf Streaming-Plattformen ist stetig gesunken, wobei der Anteil der vier größten Anbieter von 87% im Jahr 2017 auf 75% im Jahr 2022 gesunken ist. Unabhängige Künstler, Ambient-Tracks und KI-generierte Songs gewinnen an Popularität und lenken die Hörer von Major-Label-Musik ab. Grainge führt diese Verschiebung auf eine „Überversorgung“ von Inhalten auf Spotify zurück, wo täglich erstaunliche 100.000 neue Tracks hinzugefügt werden. Erkennt an, dass KI eine bedeutende Rolle bei diesem Phänomen spielt.

Diese Transformation hat weitreichende Auswirkungen nicht nur auf Musikunternehmen, sondern auch auf die Zukunft des Musikkonsums. Spotify, das einst mit Netflix verglichen wurde, entwickelt sich nun zu einer Hybridplattform ähnlich wie Netflix und YouTube. Es bietet nicht nur Zugang zu professionell produzierter Musik, sondern auch zu kurzen Audio-Clips wie Regengeräuschen, die von jedem mit einem Computer mühelos erstellt werden können.

KI hat diese Transformation angekurbelt, und einige Insider der Branche beschreiben KI-generierte Musik als „User Generated Content (UGC) auf Steroiden“, ähnlich den selbstgemachten Videos, Memes und Song-Covern, die YouTube dominieren. Grainge und andere Branchenführer, darunter Warner Music CEO Robert Kyncl, denken nun über ein Wirtschaftsmodell für Streaming nach, das professionelle Musik anders als nutzergenerierten Inhalt bewertet. Kyncl betonte kürzlich die Notwendigkeit, zwischen dem Wert eines Ed Sheeran-Streams und dem Stream von Regen, der auf ein Dach fällt, zu unterscheiden.

Welche Form könnte dieses neue Wirtschaftsmodell annehmen? Es ist vorstellbar, dass nutzergenerierte Musik eine separate Plattform finden wird, während professionelle Musik exklusiv für Premium-Dienste bleibt. Spotify könnte jedoch zögern, eine solche Teilung zu unterstützen. Während die Musikbranche weiteren Störungen gegenübersteht, betont Mark Mulligan, Analyst bei der Beratungsfirma Midia, dass wir erst den Anfang dieses Paradigmenwechsels erlebt haben.

Die Musikindustrie befindet sich an der Schnittstelle von Innovation und Unsicherheit, wo das Zusammenspiel von KI, Kreativität und Wirtschaft die Zukunft des Musikkonsums prägen wird.