Baumpflege – Das Codit Prinzip
2010-08-16 | 03:47
CODIT wird heute allumfassend verstanden und beschreibt die Wundbehandlung von Beschädigungen von Bäumen sowie die Überwallung bzw. Einkapselung in der zeitlichen Abfolge (Dujesiefken & Liese 2008). Die Wundreaktionen können im Einzelfall sehr unterschiedlich ausfallen. Stets ist jedoch das gleiche Grundprinzip erkennbar: in aufeinander folgenden Phasen erfolgt die Abschottung und Verwallung von Schäden Es gibt jedoch auch Wunden, die nicht engräumig abgeschottet und nachfolgend überwallt werden. Die Wundgröße hat hierbei eine große Bedeutung. Weitere Einflussfaktoren sind
- Baumart,
- Wundtyp,
- Jahreszeit der Verletzung und
- Wundbehandlung.
Beim Kronenschnitt ist zudem die Art der Schnittführung wichtig. Für die Baumpflege ist es daher wichtig, das Prinzip der Wundreaktionen von Bäumen sowie die verschiedenen Einflussfaktoren zu kennen.
Grundsätzlich beginnen die Reaktion auf Wunden von Bäumen unmittelbar nach einer Verletzung. Nach dem CODIT-Prinzip gliedern sich die Reaktionen in vier Phasen, die nacheinander, zum Teil auch zeitgleich ablaufen:
- Phase 1: Eindringende Luft
Als Folge stirbt das Gewebe in Wundnähe ab
Als Wirkungbildet
- die Rinde ein Wundperiderm
- das Kambium am Wundrand einen Kallus sowie in Wundnähe eine Barrierzone
- das Holz eine Grenzschicht zur Abschottung.
- Phase 2: Eindringen von Schaderregern (z. B. holzzerstörende Pilze)
- in der Rinde bis zum Wundperiderm
- im Holz bis zur Grenzschicht
Zum späteren Verschließen der Wunde bildet sich
- aus dem Kallus ein Wulst
- Phase 3: Ausbreitung der Schaderreger
Vor allem im älteren Holz kann die Grenzschicht durchbrochen werden.
Als Reaktion bildet daraufhin
- das Holz eine neue Grenzschicht
- erreichen die Schaderreger die Barrierzone, bildet diese zur Abwehr verstärkt Inhaltsstoffe
- zeitgleich wachsen die Wülstee weiter aufeinander zu.
- Phase 4: Einkapselung der Schaderreger
Die Überwallung verschließt die Wunde und kapselt den Schaden ein. In der Folge sterben die holzzerstörenden Pilze ab. Eine weitere Ausdehnung der Schaderreger ist nicht mehr möglich. Die Einkapselung ist die Strategie zum Überleben von Bäumen nach Verletzung.
Kann die Wunde nicht eingekapselt werden, bleiben die Pilue aktiv und stellen zumindest latent eine Gefahr für den Baum dar. Wird Phase 4 nicht erreicht (z. B. bei großen Wunden, oder schwachen n oder schwachwüchsigen Bäumen), verbleibt die Wunde in der Phase 3 und die holzzerstörenden Pilze können sich weiter ausbreiten. Gleiches gilt, wenn
eingekapselte Schäden in Bäumen wieder geöffnet werden, z. B. durch Anfahrschäden, Bohrungen, Stammrisse oder Spechte. Der zunächst eingeschlossene, doch dann erneut mit Sauerstoff versorgte Pilz kann die Grenzschicht durchwachsen. In der Folge können umfangreiche Schäden im gesamten Baum entstehen. Sind die Wunden klein
bzw. wird der Schaden schnell überwallt, ist die Phase 3 kurz oder wird übersprungen.
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